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Unsere Kirche

Die St. Martinskirche in Westerstetten


Von Dr. Reinhard Wortmann, Ulm

Die Kirche liegt über dem Dorf am Nordhang des Lonetales. Der Bau gibt sich als Barockanlage zu erkennen. Doch schon bei der ersten Nennung von Westerstetten 1225 wird eine Pfarrkirche erwähnt, und der Titelheilige, St. Martin, lässt ein noch höheres Alter der Pfarrei vermuten.

Für das Aussehen der ersten, sicher kleineren Kirche, haben wir keinerlei Anhaltspunkte. Auch der Turm, der älteste Teil der heutigen Kirche, wird erst nach 1225 entstanden sein. Immerhin weisen die dicken Mauern und die schmalen Schlitzfenster seiner unteren Partien auf eine Erbauung noch im 13. Jahrhundert hin.

Bei der letzten Kirchenerneuerung kamen 1972 die Grundmauern eines älteren Kirchenschiffes zutage (Kleinquaderwerk, Kalkstein, Mauerstärke ca. 90 cm). Er war demnach relativ schmal und langgestreckt, bei nicht ganz paralleler Wandführung 5,30 m im Westen bzw. 6,00 m im Osten im Lichten breit und ca. 17 m lang. Der Chor schloss im Osten in gleicher Breite mit mindestens weiteren 4 m an. Vom Schiff war er durch 40 cm starke, ca. 1,40 m vorspringende Zungenmauern abgeriegelt (nur auf der Nordseite ergraben); der Durchgang ist also mit etwa 3,20 m zu rekonstruieren. Der Chorraum wird etwa quadratisch gewesen sein. Dieses Schiff stand nicht in der Flucht des heutigen, sondern war leicht nach Ostnordost geschwenkt. Es stand also auch schräg zum Turm, an den es außerdem leicht nach Süden verschoben anschloss. Damit stimmen die Spuren des alten Dachanschlusses auf der Ostseite des Turmes überein, sichtbar im heutigen Dachraum der Kirche. Der alte Dachfirst liegt etwa 2,10 m von der Südost- und 3,80 m von der Nordostecke des Turmes entfernt und etwa 2,30 m unterhalb der Doppelfenster oben am Turmrechteck bzw. 4,70 m unterhalb des heutigen Firstes. Die Dachneigung ist relativ steil, so dass die Traufe wesentlich, wohl nahezu 3 m, tiefer als die heutige anzunehmen ist. - Die gestreckte Form des Schiffes, das Mauerwerk und die Dachform sprechen für eine Entstehung im späten 13. oder im 14. Jahrhundert. 1972 fanden sich auch Putzreste und Schriftfragmente sowie Bruchstücke von Bodenplatten mit einem vier Platten übergreifenden Ornament aus Kreis, Diagonalen und Dreipassfüllungen; Schrift und Bodenplatten gehören wohl dem 14. Jahrundert an. - Die Verschiebung zwischen Turm und Schiff, die sich bisher nicht erklären ließ, mag auch Ursache dafür sein, dass die Ortsansichten von 1697 und 1710/17 den Turm auf der Nordseite der Kirche angeben. Die Bachmeyerkarte von 1651 zeigt hingegen richtig einen Westturm. Diesen Ansichten können wir auch entnehmen, dass der Turm einst mit einem spitzen Helm über vier Giebeln schloss.

Im Mittelalter stand bei der Kirche eine Magdalenenkapelle, gestiftet 1373 von Heinrich von Westerstetten. Schon 1462 musste sie wegen Baufälligkeit wieder abgebrochen werden. Dabei wurde die Kaplanei mit der Pfarrkirche verbunden und der Altar "in die Pfarrkirchen an dem kore zu der rechten hand vnd ytel von westerstetten sälig gebain in der Capelle gelegen vßgraben vnd in die pfarrkirchen für (vor) den obgenannten altar vnter den stain gelegt." Dieser Altar stand offenbar rechts (auf der Südseite) vor dem Chorbogen. Jene Magdalenenkapelle diente offensichtlich als Grablege der Ritter von Westerstetten. - Auf ältere Zeit, vor dem Barockneubau, geht auch noch die Anlage des Friedhofes mit dem Mauerring zurück. Samt dem Tor ist er auf der Ortsansicht der Bachmeyerkarte von 1651 zu sehen. Kirche und Friedhof dienten - wie allgemein üblich - im Mittelalter und auch später im Dreißigjährigen Krieg und noch in der Napoleonzeit der Zuflucht der Dorfbevölkerung. Das spitzbogige Tor war gewiss einst dicht zu verrammeln. Die vorhandenen schmiedeisernen Torflügel zeigen neugotische Formen des späten 19. Jahrhunderts.

Erste sichere Nachrichten zur Baugeschichte erhalten wir aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. 1710 wurde der gotische Helm durch den heutigen Turmabschluss ersetzt. Nachdem bereits 1715 Teile des Kirchendaches abgestürzt waren, wurde am 12. September 1717 vom Kloster Elchingen die Erlaubnis zum Neubau erteilt. Die Konsekration fand am 31. Juli 1721 durch den Generalvikar Johann Jakob Mayer statt. Pfarrer war zu der Zeit Johann Jakob Pulvermiller (1717 - 52).

Architekt war nach einer Vermutung von A. H. Konrad, Weißenhorn, der Elchinger Klosterbaumeister Christian Wiedemann. Der um 1675 geborene Künstler siedelte 1711 von Deggingen im Filstal nach Elchingen über, wo er 1739 gestorben ist. Wenn sich seine hervorragende Bedeutung auch immer mehr abzeichnet, so steht die Erforschung von Leben und Werk doch noch aus. Er arbeitete außer für Elchingen für die Klöster Ochsenhausen, Roggenburg und Wiblingen, sein Wirkungskreis reichte von Buxheim bei Memmimgen bis Schwäbisch Gmünd, von Allmannshofen bei Donauwörth bis Kloster Wald in Hohenzollern. Während sich von den frühen Kirchen in Hüttisheim (Kapelle, 1702/18) und Dellmensingen (1711/12) bis hin zu denen in Stetten ob Lontal (1732/33) und Witzighausen (1735 ff.) eine Entwicklungslinie ziehen lässt, in der Spätzeit beeinflusst von Johann Michael Fischer und Dominikus Zimmermann, steht die Kirche in Westerstetten etwas abseits. Unklar ist vor allem auch noch Wiedemanns Anteil in Wiblingen (ab 1714).

Die Chronik des Ortspfarrers Löhle (1801 - 41) hält eine ältere, mündliche Tradition fest, wonach bei den Fundamentarbeiten zum Neubau Zinnsärge gefunden wurden. In einem Sarg lag ein Leichnam mit umgegürtetem Schwert, goldenen Fingerringen und einem Stab in der Hand. Damit diese Grabsättte mit in den Neubau einbezogen wurde, habe Prälat Cölestin von Elchingen den Plan ändern und in eine Kirche erweitern lassen. Möglicherweise erklärt sich daraus die besondere Form der Dreikonchenanlage, in deren Südrund jene Fundstelle zu suchen ist.

Der barocke Neubau ist - im Gegensatz zu seinem Vorgänger - nach dem Turm ausgerichtet. Jener lehnt sich auch in den Maßen an diesen an, indem äußere Breite und Länge des Schiffes genau doppeltes Turmseiten-Maß haben. An das Saalschiff (im Inneren etwas länger als breit) schließt sich eine quadratische Vierung an, erweitert durch drei Konchen, die östliche über halbkreisförmigem Grundriss, die nördliche und südliche elliptisch abgeflacht. An die Ostapsis ist auf Achse die quadratische Sakristei angebaut, 1962 neu errichtet an der Stelle eines etwas kleineren, kreuzgratgewölbten Vorgängers.

Das Äußere ist sehr schlicht. Schifflangseiten und Konchen haben je zwei einfache, rundbogige Fenster mit schräg eingeschnittenen Leibungen. In der östlichen Fensterachse des Schiffes liegt auf der Südseite der Haupteingang; ein gleicher auf der Nordseite wurde 1973 vermauert. Das mehrteilig profilierte Traufgesims läuft einheitlich durch, wird nur an der Westseite vom Turm unterbrochen. Die Dächer sind über den Konchen abgewalmt. Einzig die Giebelstücke zu Seiten des Westturmes zeigen mit Schweifung und einer Volute eine über das Notwendige hinausgehende Schmuckform.

Der Turm gibt sich mit den schmalen, rundbogigen Schlitzfenstern seiner unteren vier Geschosse wehrhaft-verschlossenen (die Tür auf der Nordseite ist nicht ursprünglich). Darüber im obersten Rechteckgeschoss rundbogige Fensterpaare, 1973 wieder freigelegt. Der abschließende Achteckteil mit Zwiebelhaube stammt von 1710. Vorbild war wohl der 1666 errichtete, beim Brand 1773 zerstörte Vierungstrum des Klosters Elchingen. Die Gliederung in eigentliches Glockenhaus und Attika mit Querovalfenstern sowie Haube findet sich in der Folge mehrfach auf der Alb, auch bei evangelischen Dorfkirchen, z.B. in Öllingen, 1717/18, und Neenstetten, 1730.

Das Äußere war ursprünglich sicher nicht so bar aller Gliederung. Die sonst in jener Zeit auch bei Bauten Christian Wiedemanns üblichen Piliaster werden, wenn ihre plastische Ausbildung auch aus Sparsamkeitsgründen unterblieb, immerhin aufgemalt gewesen sein. Der Turm natte nachweislich eine verzahnte Eckquaderung, die im Dachraum des Schiffs noch an beiden Ostecken zu sehen ist: "Quader" von 37 cm Höhe und abwechselnd 44 bzw. 88 cm Breite mit 3 cm starkem Fugenabstand; die "Quader" in gebrochenem Weiß, Wandflächen gelblich getönt.

Das I n n e r e der Kirche besticht durch seine Helle und Weite. Raumeindruck und Raumanlage (mit den drei weit sich öffnenden Konchen) lassen - wenn der Vergleich der bescheidenen Dorfkirche mit der mächtigen Abteikircht gestattet ist - von fern an Wiblingen denken, dessen Klosterneubau kurz zuvor von Wiedemann begonnen wurde, wobei er sicher auch erste Pläne für die erst viel später ausgeführte Klosterkirche fertigte. Der Raum sammelt sich in der Vierung, die aber keine Steigerung bringt. Die zurückhaltende architektonische Gliederung setzt kaum Akzente, die Wölbungen bleiben mit flascher Tonne im Schiff, Platzgewölbe über der Vierung und den Kalotten der Konchen auf einer Höhe, und gehen - wie der ganze Raum - in die Breite. Ein umlaufendes Gesims betont den Einheitsraum. Nur die Ecken der Vierung sind mit flach geschichteten Piliastern besetzt. Das Gesimsprofil ihrer Kapitelle ist als Deckengesims herumgeführt. Es verkröpft sich an den Faschen der Fenster, die mit ihren Rundbogen in die Gewölbeszene hinaufreichen. Die Fenster wirken wie aufgehängt. Dem entsprechen auch die weitgespannten Korbbögen der Vierung und der sehr sparsame Bandelwerkstuck der Gewölbe. - Eigenartig im Westen der Gegensatz von streng durchgezogener unterer und geschweifter oberer Empore.

Die sparsame Gliederung war wohl nicht primär künstlerische Absicht, sondern Folge von Geldmangel. So erhielt die Kirche auch keine einheitliche A u s s t a t t u n g der Zeit um 1720, und die geplanten Deckenbilder blieben zunächst unausgeführt. Nur Hochaltar, Kanzel und Gestühl gehen auf die Erbauungszeit zurück.

Der Aufbau des Hochaltares wirkt in diesem Raum fast zu kraftvoll, zumal die Seitenaltäre in den Konchen verschwingen und nicht - wie sonst in jener Zeit üblich - in gestaffelter Anordnung auf jenen vorbereiten. Über hoher, bauchiger Sockelzone erheben sich zu Seiten des Altarbildes je drei räumlich um einen Pilaster gruppierte korinthische Säulen; die konkav-konvex geführten Gesimse der schweren Gebälkstücke fahren spitzig in den Raum aus. Fassung des Altares in grau-brauner und rötlicher Marorierung sowie Vergoldung. Zu den Seiten stehen auf ausladenden Konsolen die etwa lebensgroßen Holzfiguren der Heiigen Katharina und Barbara, wohl zugehörig um 1720, die Lusterfassung 1973 freigelegt. Die beiden Altarblätter sind hingegen nicht mehr die ursprünglichen; das Hauptbild mit Kreuzgruppe malte 1860 Joseph Zeller aus Dietenheim, den Heiligen Martin im attikaartigen Altarauszug 1951 R. Aich aus Ulm.

Die Kanzel befindet sich in der nordwestlichen Vierungsecke. Der Umriss des Korbes zeigt mit dem scharfen Knick zwischen Hängekonsole und Wandung Formverwandtschaft mit der Gesimsschweifung des Altares. Der Schalldeckel aus kassetierter, sechseckiger Platte und kronenartigem Voluntenaufsatz folgt einer alten Tradition. Die Figur des Auferstandenen obenauf (um 1720/30) bekam hier bei der letzten Restaurierung (um 1970) ihren Platz. Auch die Kanzel ist in Holz ausgeführt, marmoriert und vergoldet.

Am Kirchengestühl haben sich die alten Abschlussbrüstungen mit applizierten Laubsägeornamenten in den Ecken der Füllungen und vor allem die eichenen Wangen mit kraftvoller Akanthusschnitzerei erhalten. Auch die Wangen zeigen im Umriss Brechungen zwischen konkaver und konvexer Schweifung. Einige der Wangen wurden ergänzt.

Die Nebenaltäre stehen in den Seitenkonchen nicht nach Osten, sondern nach Norden bzw. Süden gerichtet. Diese Anordnung setzt Nebenakzente gegenüber der West-Ostachse und dient der Raumweitung. Die Altäre sind älter als der barocke Kirchenneubau. An den Säulen tragen sie die Wappen des Elchinger Abtes Anselm Bauer (1657 - 85), unter dem die dortige Klosterkirche nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg bis 1667 wiederhergestellt und barockisiert wurde. Damals wurden sie wohl für Elchingen geschaffen, womit die Formen gut übereingehen. Wahrscheinlich kamen sie 1721 nach Westerstetten. In diesem Jahre sind nach den "Annales Monasterii Elchingensis 1600 - 1785": "... hier im Closter (Elchingen) 4 Altäre geweiht worden, wie auch die Pfarrkirche zu Westerstetten." Vermutlich erhielten die vier Altäre neue Retabel, wodurch die alten frei wurden.

Beide Altäre zeigen den gleichen Aufbau: zu Seiten des Bildes stehen je zwei gestaffelt angeordnete, korinthische Säulen mit gedrehtem, weinlaubumwundenen Schaft. Sie tragen Gebälkstücke. Der gesprengte Voluntengiebel nimmt eine schwere Knorpelwerkkartusche auf. Knorpelwerk zeigt auch die Sockelzone. Bei der letzten Restaurierung kam die alte Schildpatt-Fassung heraus: schwarz gefleckt auf rotem und gelbem Grund, dazu Weiß an den Säulen und Vergoldungen. Das alte, im 18. Jahrhundert zum Teil übermalte Bild des Nordaltares zeigt die Beweinung: Vor dem Kreuz (ursprünglich aufrecht stehend) beklagen die drei Marien den auf dem Boden liegenden Leichnam des Herrn; links ein Engel, zwei weitere mit Leidenswerkzeugen über der Gruppe schwebend. Das Bild des Südaltares, die Hl. Familie, wurde 1861 durch C. Zeller in Dietenheim neu gemalt. - Der Taufstein mit vierkantigem Balusterschaft und weit ausladendem, rundem, gerieftem Becken stammt wohl auf dem 17. Jahrhundert.

Die Kirche bewahrt außer den beiden Figuren am Hochaltar noch einige weitere Barockfiguren. An erster Stelle ist das sehr ansprechende, viel verehrte Muttergottesbild zu nennen. Die lebensgroße, schlanke Gestalt mit bewegter Gewandung ist wohl das Werk eines schwäbischen Meisters aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; die Fassung ist neueren Datums. Maria trägt den Jesusknaben auf ihrem linken Arm. Beide blicken zum Andächtigen hernieer, den der Knabe segnet. Trotz Kronen, Strahlen, Szepter und Weltkugel ist die Gruppe keine herrscherlich-königliche, sondern eine durch und durch volksnahe Erscheinung. - Hier sei angemerkt, dass 1738 in Westerstetten ein gotisches Mariengnadenbild erwähnt wird. Es heißt:
"Pro memoria um das zu Westerstetten in der Kirch befindliche Gnadenbild: Das innig, wundertätige Gnadenbild, welches um ca 100 Jahre in der Kirch zu Westerstetten aufbewahrt wird, ist in dem Abfall vom katholischen Glauben von Lautern im Blautal nach Tomerdingen gebracht un in der oberen Kirche aufgestellt worden. Von daraus aber ist es nach Westerstetten überbracht worden, allwo es de facto auf dem Reliquienaltar a'latere Evengelii stehet. Nota mihi infra seriptum reliquit et traditione antiquiore Johannes Zech, der alte Schulmeister von Westerstetten, ano 1738 P. Menrad Schalk capitularis Elchinensis."

Vermutlich bestand also damals in Westerstetten eine Wallfahrt. Das Gnadenbild, wohl eine gotische Holzfigur, stand offenbar an der Stelle, an der sich heute die Barockfigur befindet. Möglicherweise war jenes damals abhandengekommen und wurde durch diese ersetzt.

An der südwestlichen Vierungsecke befindet sich als ein gewisses Pendant zur Kanzel eine Nische mit kräftiger Rocaillerahmung und darin eine kleine Figur des hl. Leonhard. Die 67,5 cm hohe Holzfigur stammt samt Rahmen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Statt des Kreuzes hielt der Heilige wohl einst einen Abtstab. Die Kette in der Linken weist auf die wundertätigen Rettungen aus dem Kerker und Banden hin. Zudem galt der hl. Leonhard seit dem Mittelalter auch als Schutzpatron des Viehs.

Ferner ist die Salvatorfigur zu nennen, die offenbar im 19. Jahrhundert als Herzjesufigur umfunktioniert wurde. Zwei Statuetten der Ordensheiligen Benedikt und Scholastika, ehedem am neuzeitlichen Tabernakel des Hochaltars, weisen auf die einstige Zugehörigkeit Westerstettens zum Besitz des Benediktinerklosters Elchingen hin.

Der Auferstandene auf dem Kanzeldeckel ist ebenfalls eine schwäbische Arbeit, wohl der Zeit um 1720/30; die Fassung der 69 cm hohen Holzfigur ist noch alt. Christus steht schwebend-bewegt auf Wolken. Der zur Seite wehende Überwurf lässt den detailliert durchgezeichneten Körper weitgehend frei. In der Linken ist die Kreuzesfahne an langem Stab zu ergänzen. Von den Wundmalen ist vor allem das verheißungsvoll ausgestreckten Rechten betont sichtbar. Der Blick ist emporgerichtet. Wahrscheinlich war die Figur speziell für den Ostersonntagsgottesdienst geschaffen.

Weitere Figuren des 18. Jahrhunderts stehen im Zusammenhang mit dem Friedhof: Außen über dem Eingangstor steht in einer kleinen Nische ein hl. Johannes Nepomuk. An der Südmauer befindet sich der breitgelagerte Backsteinbau einer Ölbergkapelle mit einer fünffigurigen Tuffsteingruppe mit dem kniend betenden Christus, dem den Kelch haltenden Engel und den drei schlafenden Jüngern Johannes, Petrus und Andreas vor gemalter Hintergrundszene mit den durch Judas von Jerusalem angeführten Häschern.

In der Ostapsis hängen zu den Seiten die Bilder der Heiligen Sebastian und Notburga, dieses signiert "J. Habers in Weißenhorn Pinxit 1835". Es sind gleichartige Gegenstücke in rudbogig schließenden Rahmen (Höhe 170 cm). Die Malerei zwiegt neben barocker Tradition nazarenische Züge. Weniger bekannt als der Protomärtyrer Sebastian ist die hl. Notburga. Das Bild zeigt die gottesfürchtige Dienstmagd der Zeit um 1300 in zeitgenössischer Sonntagstracht. Das Attribut, die über der Heiligen in der Luft schwebende Sichel, weist auf folgende Stelle ihrer Legende hin: Die Heilige hatte mit dem Bauern, dem sie diente, abgemacht, dass sie am Vorabend von Sonn- und Festtagen vom Vesperläuten an die Arbeit einstellen könne, um sich in dem nahen Rupertskirchlein auf dieselben vorzubereiten. Als nun einmal ihr Herr am Vorabend eines Festes sie dran, das Mähen, mit dem sie beschäftigt war, entgegen der Übereinkunft nach dem Läuten fortzusetzen, hing sie die Sichel, die sie in der Hand hatte, in die Luft, in der dieselbe dann, ohne zu Boden zu fallen, wie aufgehängt verblieb, bis die Heilige sie nach einer Weile wieder an sich nahm. - Die Stationsbilder werden von 1860 stammen.