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Skriptorium Wer singt betet doppelt

Wer singt betet doppelt

Dem Kirchenvater Augustinus wird diese einprägsame Formel zugeschrieben. Gerne erinnere ich mich an den altgedienten Sänger im Bass des Kirchenchores, der auf die Frage, warum er denn vor Jahrzehnten als junger Mann dem Chor beigetreten war, nur diesen Spruch nannte, den er von einem Kaplan gehört hatte.

Warum singen wir? Weil Singen eine Sprache für alles ist. Und weil Singen die Gemeinschaft erfahrbar werden lässt. Singen ist eine über die eigene Stimme vermittelte Selbsterfahrung und eine soziale Erfahrung zugleich, eine Schule der Kommunikation und letztlich auch eine Säule unserer Kultur. Ein noch junger Sänger aus einem Knabenchor sagt es mit seinen ganz eigenen Worten: "Singen heißt einen Stress haben, den man anfängt zu mögen." Im Singen und Musizieren kommt der Mensch zu sich selbst. Wichtige menschliche Fähigkeiten werden nicht nur erlernt, sondern spielerisch eingeübt. Die eigene Stimmeerheben und erleben. Sich selbst hören und zugleich die anderen. Die eigene Stimme auch in der Mehrstimmigkeit halten können. Und den richtigen Ton treffen. Manchmal sogar: auf die Pauke hauen wie Mirjam.

Keine Religion der Welt ist ohne Musik. Das Trommeln der Naturreligionen, die Ragas im Hinduismus, die Sufi-Musik des Islam. Im Abendland waren und sind es die Romantiker, denen die schönsten Huldigungen an die Musik gelungen sind. Was die Tonkunstvermag, hören wir in Franz Schuberts Lied "An die Musik" auf einen Text des Zeitgenossen Franz von Schober:

 

"Du holde Kunst, in wie viel grauen Stunden,
Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,
Hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunden,
Hast mich in eine bessre Welt entrückt.
Oft hat ein Seufzer, deiner Harf entflossen,
Ein süßer, heiliger Akkord von dir,
Den Himmel bessrer Zeiten mir erschlossen.
Du holde Kunst, ich danke dir dafür."
Dr. Meinrad Walter, geb. 1957

Aktualisiert (Montag, den 26. Januar 2009 um 18:23 Uhr)